Sattlerstich (Saddle Stitch): Leder mit zwei Nadeln nähen

Polkom
Седларски бод (saddle stitch): как се шие кожа с две игли

Als Sattlerstich bezeichnet man eine Handnaht für Leder, bei der ein Faden mit je einer Nadel an jedem Ende von beiden Seiten durch jedes Loch geführt wird. So ist jedes Loch von zwei Fäden geschlossen, die Naht sieht vorne und hinten gleich aus und löst sich nicht auf, selbst wenn ein Stich reißt. Es ist die festeste Handnaht für Leder und Standard bei Gürteln, Geldbörsen, Taschen und Sattlerwaren.

Warum der Sattlerstich fester ist als die Maschinennaht

Der Greifer der Maschine bildet einen Doppelsteppstich: Ober- und Unterfaden verschlingen sich in der Mitte des Materials. Reißt ein Stich, kann sich der Faden der Länge nach auftrennen. Beim Sattlerstich kreuzen sich beide Fäden in jedem Loch, und jeder Stich verriegelt sich selbst. Außerdem wird der gewachste Faden von Hand stärker angezogen, als es die Spannung der meisten Maschinen erlaubt. Deshalb verwendet man den Sattlerstich dort, wo die Naht Last trägt – bei Griffen, Gürteln, Riemen und Gurten.

Was Sie brauchen

  • gewachstes Garn – aus Polyester oder Leinen, in einer Stärke passend zu Leder und Stichabstand;
  • zwei stumpfe Ledernadeln mit großem Öhr;
  • vorgestochene Löcher, mit Locheisen oder Ahle gemacht;
  • ein Nähross, das das Werkstück zwischen den Knien oder auf dem Tisch hält;
  • Schere und Feuerzeug zum Abschließen von synthetischem Garn.

Wie viel Garn Sie brauchen

Die Faustregel: Das Garn sollte etwa 4-mal so lang sein wie die Naht. Bei dickerem Leder oder kürzerem Stichabstand erhöhen Sie auf das 5-Fache. Beginnen Sie nicht mit zu langem Garn – es scheuert stärker in den Löchern und franst aus. Bei langen Nähten ist es besser, anzuhalten und mit neuem Garn fortzufahren, als mit mehreren Metern auf einmal zu arbeiten.

So werden die Nadeln am Garn befestigt

Schneiden Sie das Garnende schräg ab und führen Sie es durch das Nadelöhr. Stechen Sie etwa 5 cm vom Ende 2–3 Mal mit der Nadelspitze durch das Garn und ziehen Sie die Nadel nach vorne, sodass sich das Ende um das Öhr verriegelt. So fällt das Garn nicht heraus, und der Knoten bleibt dünn genug für das Loch. Wiederholen Sie das am anderen Ende.

Sattlerstich Schritt für Schritt

  1. Erstes Loch. Führen Sie eine Nadel durch das erste Loch und ziehen Sie das Garn, bis beide Seiten gleich lang sind.
  2. Vordere Nadel. Führen Sie die Nadel von der Vorderseite durch das zweite Loch und ziehen Sie das Garn zur Hälfte durch, ohne es anzuziehen.
  3. Hintere Nadel. Führen Sie die zweite Nadel von der Rückseite durch dasselbe Loch. Gehen Sie hinter dem bereits liegenden Faden vorbei und achten Sie darauf, ihn nicht mit der Nadel zu durchstechen.
  4. Anziehen. Ziehen Sie beide Enden gleichzeitig und mit gleicher Kraft an.
  5. Wiederholen. Fahren Sie mit dem nächsten Loch fort und halten Sie dieselbe Reihenfolge ein: immer zuerst die vordere Nadel, dann die hintere.

Die Reihenfolge ist die wichtigste Regel. Führen Sie bei jedem Stich die Nadeln gleich – etwa die hintere Nadel immer über den vorderen Faden –, legen sich die Stiche mit gleicher Neigung und die Naht sieht aus wie eine geflochtene Kette. Ein Wechsel der Reihenfolge mitten in der Naht ist sofort sichtbar.

Neigung des Stichs

Das typisch schräge Bild des Sattlerstichs entsteht durch die schrägen Zinken des Locheisens und die richtige Nadelreihenfolge. Um die Neigung zu betonen, ziehen Sie beim Anziehen den hinteren Faden leicht nach unten und den vorderen nach oben. Wünschen Sie eine gerade Naht, verwenden Sie ein Locheisen mit runden oder geraden Zinken und ziehen Sie gleichmäßig an.

So beginnt die Naht an Ecken und Kanten

Beginnt die Naht an der Kante des Werkstücks, etwa an einer Tasche oder am Gürtelende, wird die Kante mit einem Doppelstich verstärkt: Umschlingen Sie die Kante vor dem Start ein- oder zweimal mit dem Garn durch das erste Loch. Das schützt die Stelle mit der höchsten Belastung. Dasselbe macht man am Ende der Naht.

Abschluss der Naht

  1. Wenn Sie das letzte Loch erreicht haben, gehen Sie auf derselben Naht 2–3 Löcher zurück.
  2. Führen Sie beide Nadeln auf die Rückseite oder zwischen die Lagen.
  3. Schneiden Sie das Garn dicht am Leder ab.
  4. Synthetisches gewachstes Garn leicht mit der Flamme verschmelzen und das geschmolzene Ende mit einer flachen Fläche an das Leder drücken.
  5. Leinengarn abschneiden und mit einem Tropfen Kleber fixieren oder zwischen den Lagen verstecken.

Häufige Fehler

  • Den Faden mit der zweiten Nadel im Loch durchstechen – die Naht wird ungleichmäßig und das Garn geschwächt.
  • Unterschiedlich starkes Anziehen – die Stiche haben unterschiedliche Höhe.
  • Wechsel der Nadelreihenfolge mitten in der Naht.
  • Zu langes Garn, das vor dem Ende der Naht ausfranst.

Wie viele Stiche pro Zentimeter

Die Stichzahl hängt vom Zinkenabstand des Locheisens ab. Bei 3 mm Abstand ergeben sich etwa 3,3 Stiche pro Zentimeter, bei 4 mm etwa 2,5. Eine dichtere Naht wirkt feiner und passt zu kleinen Artikeln. Eine weitere Naht mit dickerem Garn ist typisch für Gürtel und schwere Taschen. Verringern Sie den Abstand nicht unter das, was das Leder zulässt – zu nahe Löcher schwächen das Material entlang der Nahtlinie.

Sattlerstich bei Gürteln und Taschen

Bei Gürteln wird der Sattlerstich am Umschlag um die Metallschnalle, an den Schlaufen und als Ziernaht über die ganze Länge verwendet. Bei Taschen näht man so die Griffe, die Seitennähte und das Anbringen des Lederetiketts. Je höher die Belastung, desto dickeres Garn und größerer Stichabstand werden gewählt.

Garne für den Sattlerstich von Polkom

Polkom bietet im Großhandel gewachste Garne in verschiedenen Stärken und Farben in der Kategorie Garne für Schuhe und Leder. Werkstätten und Lederwarenmarken können Muster über die Kontaktseite anfordern.

FAQ

Häufig gestellte Fragen

Welches Garn braucht man für den Sattlerstich?
Gewachstes Garn, meist geflochtenes oder gezwirntes Polyester oder traditionelles gewachstes Leinengarn. Das Wachs hilft, die Stiche festzuziehen und ein Lockern zu verhindern. Die Stärke hängt vom Zinkenabstand ab: etwa 0,45–0,55 mm bei 3 mm Abstand und 0,65–0,8 mm bei etwa 4 mm Abstand. Für Gürtel nimmt man auch dickere Garne.
Wie viel Garn braucht man für den Sattlerstich?
Etwa das 4-Fache der Nahtlänge. Bei dickem Leder, vielen Lagen oder kurzem Stichabstand erhöhen Sie auf das 5-Fache. Für eine 25 cm lange Naht braucht man also etwa 1–1,25 m Garn. Zu langes Garn scheuert in den Löchern und franst aus, deshalb arbeiten Sie bei langen Nähten in Abschnitten.
Kann eine Maschine den Sattlerstich nähen?
Normale Nähmaschinen nähen einen Doppelsteppstich, der anders aussieht und sich bei einem Riss auftrennt. Es gibt Spezialmaschinen, die den Sattlerstich imitieren, doch der klassische Sattlerstich mit zwei Nadeln durch jedes Loch wird von Hand genäht. Deshalb gilt er als Merkmal von Handarbeit.
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